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Der
Anfang 1948 und die Zeit danach...
Die
Anfänge der pinneberger bühnen als Theaterverein gehen
zurück in eine Zeit, als der Zweite Weltkrieg noch nicht
lange her war und die Menschen andere Sorgen hatten, als sich mit
Theaterspielen zu beschäftigen. Die Leute in den zerbombten
und zerstörten Städten litten bitterste Not.
Der
Mensch lebt aber nicht von Brot allein! Das Bedürfnis nach
kulturellen Dingen war vor 50 Jahren bei allen Menschen
außerordentlich groß. Wenn es schon nicht möglich
sein konnte, sich satt zu essen, so wollte man doch wenigstens den
bedrückenden Alltag durch künstlerische Darbietungen
ernster und heiterer Art erleichtern. Für den Pinneberger
Bürger war es schwierig, denn Pinneberg selbst bot in dieser
Hinsicht sehr wenig, und wer nahm schon die Unbequemlichkeiten
einer "Reise" nach Hamburg auf sich. Es musste etwas in
dieser Stadt geschehen.
Im
März 1947 nun hatte Willi Weißhuhn die Idee, eine
Theatergruppe zu gründen. So einfach war es aber nicht, denn
im Jahre 1948 bestimmte noch die englische Militärregierung,
ob Vereine gegründet werden durften oder nicht. Doch nachdem
alle behördlichen Dinge geklärt waren, gaben die
Engländer ihr "Okay".
Wie
konnte Weißhuhn nun die Pinneberger Bevölkerung über
seine Pläne informieren? Er fand eine kleine Druckerei in
Hamburg, die Plakate drucken konnte. Weißhuhn und seine Frau
Geert verteilten diese dann im ganzen Stadtgebiet. "Hast du
nicht auch Lust? Wir spielen Theater!" waren die Schlagzeilen
auf rosa-weißen Plakaten, die im Januar 1948 in den
Schaufenstern hingen und die Bevölkerung mit der
Volksspielbühne Pinneberg bekannt machten.
Die
Reaktion war überwältigend! Eine große Zahl von
Interessierten meldete sich. Weißhuhn lud sie einzeln zu
sich ein und entwickelte sein Vorhaben. Der jüngste Bewerber
war sechzehn und der älteste einundsiebzig Jahre alt.
Gründung
Am
29. Januar 1948 konnte dann im Pinneberger Bahnhofshotel, dass
inzwischen nicht mehr existiert, die Gründungsversammlung mit
35 Mitgliedern durchgeführt werden.
In
seinem Eröffnungsreferat sagte der Gründer der Bühne
voller Enthusiasmus im Stile der damaligen Zeit:
"Schönste
Erfüllung soll es für uns werden, dem arbeitenden
Menschen, dem wirtschaftlich Schwachen die Möglichkeit der
Beteiligung an den Geschehnissen innerhalb der kulturellen Welt zu
öffnen und darüber hinaus Freude und Entspannung zu
geben [...]. Darüber muss sich jeder; der zu uns gehören
will, klar sein, unser erstes Gebot wird sein: Ernste Arbeit!"
Beginn
des Theaterlebens
Das
Gründungsmitglied Horst-Joachim AIms schilderte die
Anfangssituation der Volksspielbühne Pinneberg wie folgt:
"Natürlich
gab es eine Aufführungsgenehmigung der britischen
Militärregierung zur Aufnahme eines Spielbetriebs und den
Wunsch und den ernsten Willen, unsere gute Absicht in die Tat
umzusetzen. Jedoch an materiellen Mitteln fehlte uns alles. Nicht
einmal Nägel besaßen wir; von Holz, Leinwand oder Farbe
oder Pappe ganz zu schweigen [...].
[...]
Gemeinsinn und Opferbereitschaft aller Mitglieder ließen so
manche Schwierigkeit bewältigen. Einige Monate vergingen in
stiller und zäher Arbeit[...],es fehlte z.B. der Vorhang.
Auch hier wurde eine Lösung gefunden in Form von gewaschenen
und rot gefärbten Kohlesäcken. Schließlich war
alles in bescheidenem Rahmen fertig gestellt. Als erstes Stück
hatte der Bühnenvorsitzende und Spielleiter Willi Weißhuhn
die Komödie "So ein Mädel" ausgesucht, ein
effektsprühendes Lustspiel in 3 Akten, wie es auf dem Plakat
hieß.
In
eiskalten Räumen wurden die Proben durchgeführt. Der
erste Aufführungstag am 21. Mai 1948 rückte näher
und noch immer fehlten die Stühle [...],die benachbarte
Christuskirche war Helfer in der Not […]
Als
der Schlussbeifall des ersten Abends vor vollem Hause einsetzte,
da waren wir alle glücklich: [...] alle wussten, dass nun
eine Gemeinschaft ins Leben gerufen war, die durch nichts zu
erschüttern sein würde.
Die
folgenden Jahre waren geprägt von einem emsigen Spielbetrieb.
Die Volksspielbühne entwickelte sich zu einem festen
Bestandteil im kulturellen Leben der Stadt Pinneberg."
So ging
es weiter
Im
Jahre 1958 erschütterte eine Krise den Theaterverein.
Aufgrund vereinsinterner Auseinandersetzungen traten mehrere
Mitglieder aus und gründeten die "Niederdeutsche Bühne
Pinneberg". Dieser Zustand dauerte 5 Jahre.
Im
Jahre 1963 starteten beide Bühnen eine
Gemeinschaftsaufführung mit dem Stück "Cowboys,
Quiddjes und Matrosen". Die Aufführungen brachen alle
bisherigen Zuschauerrekorde. Die gemeinsamen Proben und die
Aufführungserfolge führten schließlich dazu, dass
es zu einer Fusion der Volksspielbühne Pinneberg und der
Niederdeutschen Bühne Pinneberg kam. Ein neuer Name war auch
schnell gefunden: "pinneberger bühnen".
In den
weiteren Jahren wurde bei den pinneberger bühnen viel
gespielt und immer darauf geachtet, dass der Spielplan für
das Publikum attraktiv war. Jedem wurde etwas geboten. Konnte man
es Anfang der 50er Jahre noch wagen, sozialkritische Stücke
auf den Spielplan eines Amateurtheaters zu setzen, so bedeutete
diese Auswahl in den 70er und 80er Jahren ein Risiko und manchmal
ein Fiasko. Die pinneberger bühnen verstärkten daher
ihre Bemühungen, mit Komödien in hoch- und
niederdeutscher Sprache zur guten Unterhaltung beizutragen.
Prinzip der Spielplangestaltung in dieser Zeit war: "Wer zu
uns kommt, soll wissen, dass es ein humorvoller Abend wird".
Neben den Komödien in niederdeutscher und hochdeutscher
Sprache wurden auch ernste Schauspiele und Kriminalstücke
sowie Weihnachtsmärchen gespielt.
Der
Schwerpunkt der Spielgestaltung lag eindeutig auf der humorvollen
Unterhaltung.
Die
Vielfältigkeit des Stückeangebotes trug dazu bei, dass
den pinneberger bühnen im Jahre 1960 vom Innenministerium des
Landes Schleswig-Holstein das Prädikat "kulturell
wertvoll" verliehen wurde.
Ausblick
50
Jahre sind schnell vergangen: Immer ist es gelungen, mit allen
Widrigkeiten, die sich im Laufe der Jahre ergaben, fertig zu
werden. Der Wunsch vieler Menschen seit 1948, in einer
Gemeinschaft auf den "Brettern, die die Welt bedeuten"
Theater zu spielen, hat bis heute nicht nachgelassen. Die
Mitgliederzahl ist ein Beweis dafür. So haben die
"pinneberger bühnen" seit 1988 mit leichten
Schwankungen konstant über 100 Mitglieder.
Die
Verbundenheit zu unseren Besuchern wuchs in der bedrückenden
Zeit der Nachkriegsjahre, sie konnte sich weiter entfalten und
wird weiter bestehen, weil wir auch heute noch mit Freude und
Engagement für die Besucher da sind und mit professioneller
Leistung ansprechende Unterhaltung bieten wollen.
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